Ubuntu 20.04 im Test

Pünktlich wurde Ubuntu in der LTS Version veröffentlicht und bietet allerhand Neues und Interessantes. Wir werfen einen realistischen Blick darauf.

Mit jeder LTS Veröffentlichung geht einiges an Verantwortung mit in den Markt – denn eine LTS Version wird zumindest für 5 Jahre gepflegt (ESM sogar 10 Jahre), nach zwei Jahren kommt wiederum eine neue LTS Version. Da dies für die Produktivität empfohlene Version ist, ist der Release natürlich wichtiger als die Zwischenversionen.

Es scheint, als ob einige Themen der letzten Jahre nun in dieser LTS Version münden und es fühlt sich nach einem neuen Kapitel an. Die Oberfläche wurde sehr poliert und mit Yaru als Theme, sieht diese auch schick aus. Weiters wurden Snaps als Installationspaket weiter favorisiert, ein aktuellerer Kernel implementiert und unter der Haube gibt es natürlich eine Menge Neuerungen, die für den simplen Anwender nicht wirklich von Bedeutung sind.

Wie diese Änderungen für den Anwender wahrgenommen werden, das ist wiederum interessant. Und darauf wollen wir uns nun stürzen und berichten

Installation

Am Anfang steht immer die Installation. Für absolute Laien ist das kaum machbar, da man einen USB Stick erstellen muss, diesen dann booten, vorher natürlich Daten sichern und dann übertragen. Da sollte ein Kenner ran, oder man beschäftigt sich eine Zeit damit.

Die Installation selbst ist nicht sehr kompliziert, auch kann man einfach mal in den Live Modus gehen und etwas herumspielen und erst dann schauen, ob man selbst mit dem System, und das System mit der Hardware zurecht kommt. Zweiteres ist meistens eh der Fall.

In meinem Fall lösche ich einfach die Festplatte komplett und installiere frisch und neu – keine Altlasten erwünscht. Das geht auch auf einem bald fünf Jahre alten Laptop zügig und schnell hat man ein lauffähiges System. ZFS klingt schon interessant, wird aber noch links liegen gelassen.

Erster Start

Dank SSD ist der Start sowieso immer schnell, diese Version ist sogar noch etwas schneller – was gefühlt nicht ins Gewicht fällt. Bei einer Neuinstallation auf einem Laptop wird nun meist das Herstellerlogo mittig angezeigt – Ubuntu darunter – alles auf Schwarz. Das gefällt und noch mehr den Hardware-Hersteller, denke ich. Ist deshalb eine gute Sache, da man so leichter diverse Hersteller überreden kann, Ubuntu vorzuinstallieren.

Dann wählt man seinen zuvor erstellen User aus, Passwort eingegeben und schon ist man bereit loszulegen. Der neue Loginscreen ist endlich moderner und funktional.

Man kann auch auf den Wayland Displayserver umschalten, wenn man das möchte. Persönlich finde ich es eher enttäuschend, dass die gesamt Industrie und Community sich hier noch immer so sträubt ein eindeutig moderneres und bereits reifes Produkt zu verwenden, stattdessen mit X11 einen 30 Jahre alten Standard weiter am Leben erhält. Wünschenswert wäre ein deutlicher Ruck, damit Entwickler nachziehen müssen.

Erstes Umschauen

Nach dem Login gibt es nur mal einen leeren Desktop mit Maskottchen, daneben das Dock, mit wichtigen App-Verknüpfungen. Mehr muss es auch nicht, denn man kann schon loslegen. Rechts oben kann man sich um eine WLAN Verbindung kümmern und mit Firefox dann schon surfen. Oder Daten übertragen. Oder in LibreOffice was schreiben.

Das Dock auf der linken Seite ist bei Ubuntu seit Jahren Standard, was auch sehr gut ist, da die meisten neuen User ohne speziellen Hintergrund das “Aktivitäten” Konzept von GNOME erstmals nicht durchschauen würden. Auf diese Weise hat man schonmal wichtige Apps im Auge, den App-Launcher mit seinem Icon links unten, kann man von anderen Systemen noch erraten. Bei GNOME selbst braucht man zwei Klicks bis man die Apps sehen darf. Nicht so gut.

Apps und Programme

Öffnet man nun den Launcher, bieten sich eineinhalb Seiten Icons an, mit teils etwas fraglichen Funktionen und Programmen. Zwar kann man mittlerweile (kam auch erst vor einem Jahr oder so) direkt im Launcher Ordner erstellen, warum das nicht von Canonical direkt genutzt wird um für mehr Ordnung zu sorgen, ist fraglich. So gibt es zwar einen Ordner mit “Utilities”, in dem man den System Monitor oder auch ein Programm für Backups findet (sowie den Taschenrechner, der ja wenig mit dem System ansich zu tun hat), aber Updates, Input Methoden und Power Statistics sind direkt in der Hauptübersicht.

Hier, tut mir leid, herrscht ungeplantes und unlogisches Wirrwarr. Es ist nicht so schwierig herauszufinden welche Apps und Programme ein normaler User tatsächlich öfter benutzt. ‘Live Patch’ und ‘Zusätzliche Treiber’ gehören allerdings nicht dazu. Manche Einträge wirken sowieso noch, also ob sie irgendwann endlich den Weg in die Systemeinstellungen finden sollten. Für andere gibt es eben Unterordner, die endlich auch genutzt werden sollten. Bitte! Danke!

Leider ein wirres Mischmasch aus Programmen, Apps und System-Apps

Gut ist immerhin, dass man nun Ordner benennen kann. Wiederum war es für mich eher überraschend, dass das System in der Vorversion Namen automatisch für Ordner vergeben hat, je nach Inhalt. Das war weniger Aufwand, als, dass man dem Nutzer selbst die Möglichkeit gibt, seine Ordner zu benennen?

Ubuntu Software & Updates

Sucht man nun etwas, das nicht vorinstalliert ist, gibt es ‘Ubuntu Software’. Dies ist mittlerweile eine Snap-App – was kein normaler Mensch merken wird – aber natürlich heiß diskutiert wird. Solange es funktioniert ist es eigentlich egal, wie. Snaps sind kurz gesagt Programme die in Paketen geliefert werden, anstatt einzelnen Dateien. Das macht Updates leichter und flexibler, sowie laufen diese sicherer, da man sie besser vom System isolieren kann. Viele jammern wegen der Startzeiten von Apps in dem Snap-Format – das kann ich nur beim ersten Start bestätigen, da hält es ich meist auch in Grenzen. Womöglich sollte die Community nicht immer nur die Computer aus dem Keller und Virtuelle Maschinen verwenden. Mein durchschnittlicher Intel i5 Laptop mit 8GB RAM aus 2015 kommt wunderbar damit zurecht.

Zwar wirkt ‘Ubuntu Software’ noch nicht zu ende entwickelt, da bin ich jedoch sicher, dass das Team sich dem umfangreich annimmt. Allgemein gesagt ist ‘Ubuntu Software’, der ‘Snap Store’ oder ‘GNOME Software’ – was ja alles die selbe Basis hat – nach wie vor bei weitem nicht so gut wie Konkurrenz größer OS Hersteller.

Suche ich nach ‘office’ erhalte ich 15 Einträge, die nichts mit Office zu tun haben – also dürfte bei der Suche was massiv nicht stimmen. Bin ich in einer App-Unterseite im Store, verschwindet die Navigationsleite im Kopf und ich muss erstmal ‘Zurück’ klicken um wieder ins Hauptmenü zu kommen. Auch keine Schnellauswahl in Form von als Beispiel eines Dropdown Menü mit den Kategorien ist vorhanden. Der Schnellste war er auch nie. Da gibt es extrem viel Luft nach oben. Bitte sich da auch von anderen etwas beeinflussen lassen. Das ist nicht intuitiv und umfangreich genug.

Weiters sollte noch gesagt werden, dass extrem viele Apps im Store nicht geprüft werden. Womöglich keine, was ja zum OpenSource Prinzip passt. Das bedeutet jedoch, dass Apps oft kryptische Namen haben, komische Versionsnummern, nicht unter Wayland laufen und oft einfach nicht mehr weiterentwickelt werden. Da würde ich mir persönlich eine strengere Handhabung wünschen – denn was bringt mir Auswahl, wenn sie qualitativ schlecht ist? Zumindest eine Markierung mit “Hey, die App ist seit 5 Jahren nicht mehr aktualisiert worden” oder “Wayland gibt’s nicht mit der App, sorry” hätten mir schon Kopfweh erspart.

Ubuntu Software macht seit dem Start von 20.04 noch einige Probleme

Dann gibt es schöne Beispiele von den größeren Apps und Programmen, wie das kürzlich veröffentlichte Inkscape 1.0. Da gibt es ein Snap, sogar Vorabversionen zum auswählen wenn man das will, ein normaler Name, Screenshot, Beschreibung und Reviews. So sollte eine Store-App aussehen. Qualität statt Quantität. Umständlich: sobald man das Programm installiert hat, muss man in den Launcher um es zu starte, da im Store nur zwei Buttons mit Entfernen und Berechtigungen angezeigt werden. Naja.

Immerhin sind die Berechtigungen nun allgemein für jede App einstellbar, doch auch hier ist womöglich die einfache Uninteressiertheit mancher Hobby-Entwickler groß genug, dass manche Apps dies nie nutzen werden.

Weiters ist es etwas eigen, wenn man Software, wie als Beispiel Davinci Resolve installiert. Die Software ist nach Registrierung in der freien Version nutzbar, auch für Linux verfügbar und auch schnell installiert. Aber: Auf meinem Laptop startet die Software nicht. Nicht tragisch, dann löschen wir sie eben wieder. Unter den Einstellungen und Apps – nein. Hier kann man die App aber in Ubuntu Software öffnen, die aber nur einen Fehler ausspuckt. Unter installierte Apps ist das Programm auch nicht drinnen. Also wie kann ich die wieder entfernen? Die Lösung ist, dass man über den Installer das ganze wieder deinstalliert. Hat man diesen gelöscht, was nach einer Zeit ja der Fall sein kann, weiß ich als Normalo-User auch nicht weiter, kann ich mir vorstellen. Nicht gerade benutzerfreundlich und auch für Hersteller wie Blackmagic Design, die Davinci Resolve anbieten, ein weiterer Grund, das System weiterhin Stiefmütterlich zu behandeln. Ein Snap wäre da regelrecht ein Wunder, mit der Registrierung aber wohl nicht vereinbar.

Noch ein Wort zu Updates: Komisch. Wenn man sich nicht kümmert, werden Updates allgemein im Hintergrund gemacht. Das ist in Ordnung finde ich, da sich ein Laie nicht darum kümmern möchte und auch nicht sollte. Verwirrden wird es dann aber bei der Auswahl. Denn man nimmt an, dass ‘Ubuntu Software’ das übernimmt. Dort gibt es ein Tab mit Updates, worüber man das machen kann. Dann aber auch ein eigenes Programm, mit welchem man das auch erledigen kann – über das auch größere Systemversionsupdates gemacht werden. Und dann gibt es noch ein sehr ähnlich heißendes Programm, welches die Softwarequellen und andere Einstellungen verwaltet, was aber auch in den Systemeinstellungen besser aufgehoben wäre. Gesamt einfach nicht ganz konsistent.

Software Updates. Entscheidet euch!

Launchen mit Aktivitäten

Das Aktivitäten-Prinzip von GNOME ist ja schon länger vorhanden, ergibt auf größeren Desktops und Arbeitsmaschinen bedingt Sinn und wird meist durch Docks, wie in Ubuntu, übergangen. Wobei für Nutzer die gerne mal was eintippen und suchen, ist das keine schlechte Sache.

Man tippt ‘displ’ ein und schon erhält man Ergebnisse aus den Einstellungen, welche mit ‘Display’ zu tun haben. Oder Apps und Programme werden auch sofort gefunden – wenn auch Prioritäten nicht schlecht wären um installierte und oft genutzte Apps und Programme vor den wenig genutzten Systemapps anzuzeigen. Doch neuerdings gibt es eigenartige Suchergebnisse – zumindest was Dateien angeht.

Suchen nach ‘displ’

Ich suche als Beispiel nach ‘log 20’ – was einer ODT Datei entspricht die ‘Log 20.odt’ heißt, also ein Dokument. Dieses liegt in den Dokumenten, dort im Nextcloud Ordner. Trotz eigentlich genauem Wortlaut, wird diese Datei nicht als erstes angezeigt. Erst ein Klick auf mehr Ergebnisse liefert meine Datei, was die ganze Suche für mich umwirft. Das ging in 19.10 noch ganz normal und schnell.

Suche nach einer Datei namens ‘Log 20.odt’ – leider kein Ergebnis auf der erstens Seite, trotz beinahe genauem Wortlaut

Ansich ist das Aktivitäten-Prinzip ja ganz gut und wurde auch in andere Betriebssysteme übernommen, leider ist die grundsätzliche Ausrichtung GNOME’s zu puristisch und jemand der nicht ständig mit der Tastatur arbeitet, kommt nur mit unnötig vielen Klicks um die Runden. Darum ist das Dock auch notwendig. Auch wenn man nach wie vor Apps nicht minimieren kann, wenn man auf das Icon am Dock klickt.

GNOME Status

GNOME nennt sich ja das Projekt und die Oberfläche, auf die Ubuntu und auch andere aufsetzen. Es ist sehr nutzbar, ist auch sehr viel schneller und Ressourcensparender geworden. Doch hakt es leider an vielen Stellen nach wie vor. Auch geht die Entwicklung langsamer voran, als bei der Konkurenz. Das liegt natürlich dran, dass es ein Spenden-finanziertes Projekt ist, was aber leider keine Ausrede sein kann – denn die Konkurrenz ist eben da und sehr stark.

Etwas verwirrend ist die Ausrichtung allgemein. Scheinbar hat man damals Tablets als neuem Formfaktor gesehen und gesagt: Da machen wir mit. Aber anstatt einen neuen Formfaktor einzubinden, warf man einfach den klassischen Desktop über Board. Und dann ist man zurück gerudert und hat vieles wieder angepasst an das Arbeiten am Desktop.

Responsive Design ist ja wirklich kein Problem heutzutage, doch muss man auch wissen wie man es umsetzt. So wären verschiedene Modi für Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone ja sicherlich möglich. Einmal mit Dock, Touchscreen-Gesten, größeren und kleineren Icons usw. Doch glaubt man nach wie vor ein Tabletsystem vor sich zu haben, das halbherzig fertig-entwickelt und dann repariert wurde.

Warum kann man nicht grundsätzlich das Dock anzeigen lassen? Warum sind Dinge wie ‘Aktivitäten’ dann wiederum zu klein für Touchscreens? Will man überhaupt ein Tabletsystem sein oder erstmal ein vernünftiges Desktop-System? Da sollte man sich wirklich mal ordentlich Gedanken machen, denn es wirkt weder wie das Eine, noch das Andere. Und es bräuchte nicht all zu viel, um etwas zu sein. Man müsste sich nur entscheiden und den Weg verfolgen.

Ganz einfaches Beispiel: Das Power-Menü wurde neu gestaltet. Vorher klickte man rechts oben auf das Menü am Display, dann auf das Icon für Herunterfahren. Da man aber kein Standby-Icon vom Platz hineinbekommen hat (über die Shift Taste erreichbar, was für eine Logik!), hat man nun alle Icons (Einstellungen, Sperren und Herunterfahren) entfernt und das alles in eine Art Dropdown verpackt. Also geht man vom optisch ansprechenden Icon-Prinzip auf ein Text-Basiertes Dropdown, wo man 4 Klicks braucht um einen PC herunter zu fahren. Das klingt nicht viel, ist aber ein eindeutiger Schritt zurück und komplizierter als zuvor. Anstatt, dass man einfach eine Zeile darunter einfügt, oder die Sache gründlicher durchdenkt. Schade eigentlich.

Altes Power Menu links, mit Icons. Rechts, das ‘neue’, verschachtelte Menu. Einfach nicht zeitgemäß gelöst.

Ein weiterer Punkt ist, dass die mitgelieferten Apps immer nur im 6-Monats-Release daher kommen. Windows und macOS haben längst die Apps ausgelagert, damit man diese separiert vom System updaten kann. Das hat nicht nur sicherheitstechnisch große Vorteile, auch können Funktionen und Korrekturen so schneller an die User ausgeliefert werden. Womöglich ist die nahe Verzahnung das Problem, da ist die Codebasis womöglich noch nicht bereit, da man davon abhängig ist. Zukünftig wäre das aber natürlich ein willkommener Schritt.

Weiters kann ich mir im Jahre 2020 nicht erklären, warum mein Touchpad geradezu nutzlos ist. Ich kann mit zwei Finger scollen, oder einen Rechtsklick machen. Drei oder vier Finger rauf, runter, links rechts. Nichts. Das empfinde ich mittlerweile eher als Frechheit, nachinstallieren von Funktionen ist keine Option für viele. Warum ist der Touchscreen besser unterstützt als ein Touchpad? Das ist wirklich sehr sehr traurig, muss ich gestehen.

Die Benachrichtigungszentrale (auch Windows/Supertaste + M) hat neu einen “Bitte nicht stören” Umschalter. Dabei verharrt sie sonst weiterhin in einem – wenn auch aufgehübschten – nur etwas hilfreich Status. Kalendereinträge und Benachrichtigungen werden fast gleich behandelt und sehen auch gleich aus. Der Monatskalender ist nett, aber für den Arbeitsalltag etwas zu allgemein, da die Woche da meist wichtiger ist. Dafür mehr gibt es eh die App.

Persönlich sehen ich da eher links die Benachrichtigungen, einen Wochenkalender rechts, dieser dafür weniger hoch und darunter meine nächsten Termine aufgereiht – für heute, wenn Platz ist auch morgen. Mit einem Button der die Kalender-App öffnet.

Und wenn man die Wetter-App installiert hat man auch hier die nächsten Stunden das Wetter entsprechend aufgereiht – das ist nett, Temperaturen und grobes Wetter für die nächsten Tage dürfte aber hilfreicher sein. Die Ortssuche ist auch oft funktionslos, oder zeigt Orte doppel und dreifach an – dann darf man raten welcher funktioniert.

Mitgelieferte Apps

Im Paket gibt es, wie üblich, eine Auswahl von Standard-Apps, die eine grundsätzliche Funktionalität von täglichen Aufgaben bereitstellen. Diese halten sich meist an das Aussehen und die Bedienung des Grundsystems, was gut gefällt. Weniger gut ist oft die Tatsache, dass diese Apps sich nur sehr langsam weiterentwickeln und somit viel Funktionalität fehlt.

Der Dateibrowser hat eine Umständliche Art mit Netzwerklaufwerken umzugehen, kann dabei nur mit “Lesezeichen” arbeiten und man muss Netzwerklaufwerke jedes mal neu einbinden und auswerfen – wie es mit einem USB Stick gehandhabt wird. Das ergibt grundsätzlich keinen Sinn und erschwert die tägliche Nutzung von Netzwerkdaten unnötig. Warum? Weil man in LibreOffice als Beispiel die letzte Datei öffnen möchte, die im Netzwerk liegt, die aber erst erreichbar ist, wenn man im Datei Browser das Netzwerklaufwerk eingehängt hat. Weitere Software macht es möglich, ist aber traurig, dass das überhaupt notwendig ist. Ein Netzwerklaufwerk ist kein USB Stick.

GNOME Music sollte eigentlich Standard sein, ist aber noch nicht so gut wie das gelieferte Rythmbox. Die Kalender-App gefällt, bietet auch beinahe alles, was man so braucht für den Arbeitsalltag. Auch der Synch zu Google sollte als Beispiel funktionieren. Bilder öffnet man mit einer kleinen flotten App, die aber nur das Drehen von Bildern beherrscht – mehr bearbeiten geht nicht. Das ist insbesondere im Gegensatz zur Konkurrenz schade, denn Fotos und Bilder gehören zu den beliebtesten Dateien der üblichen Nutzer. Ob diese das Programm Shotwell finden und nutzten (und ja, das Logo ist ein abgestorbener Baum… immerhin in einem Fotoframe) ist eine andere Frage. Hier muss unbedingt nachgeholt werden, denn insbesondere die Dateimassen an Fotos und Videos werden noch länger nicht den Weg in die Cloud finden.

Rythmbox und GNOME Music – noch nicht gleich auf bei den Funktionen

Webcam- & Scansoftware ist gut brauchbar, wenn die Hardware unterstützt wird. Auch eine nette ToDo App die für Arbeiten am PC brauchbar ist, ein einfacher Texteditor, der praktischerweise auch viele Programmiersprachen zumindest farbig darstellen kann und Tabs unterstützt – da hat man sich scheinbar mehr bemüht, auch wenn viele die App nie verwenden werden. Beim Web-Development nutz man doch auch gerne einen einfachen Editor, wenn man Schnipsel abspeichert, oder sich Notizen macht.

Der Videoplayer ist schon sehr gut, solange man die Extras installiert hat, sowie natürlich der Taschenrechner und das Backup Programm. Dieses beherrscht allerlei Funktionen und Einstellungen, um sich ohne weiteres alles zu sichern und sich darüber keine Gedanken mehr machen zu müssen. System-Analysen Apps sind nett, aber nicht hervorstechend. Auch die GNOME App “Usage” ist noch nicht gut genug um die Aktuelle zu ersetzten.

Natürlich gibt es noch mehr Programme und Apps die mitgelifert werden, da erwähne ich noch die gute Screenshot App, die als App aber nicht weiter ins System integriert ist. Da man mit der “Druck” Taste auf der Tastatur ohnehin ein PNG des Displayinhalts erstellt, ist das zumindest ein gutes Extra, wenn man es kennt.

Insgesamt ist das Paket also rund, wenn auch nicht ganz nützlich. Ein System sollte heute jedoch nach Möglichkeit die Grundfunktionen mitbringen, da man das gewohnt ist – bereits ein Billigsdorfer Handy kann Fotos ohne weiteres bearbeiten. Und für alles irgendwelche – oft viel komplizierteren – Apps und Programme nachinstallieren, das kann man vom normalen User leider nicht erwarten.

Firefox und Thunderbird sind kaum erwähnenswert, da diese nicht nur in der Linux-Welt ein funktionierender und aktueller Standard sind. Thunderbird ist mein Mailprogramm der Wahl, Firefox kann natürlich auch gegen andere Browser ausgetauscht werden. Der GNOME Browser ist für mich hingegen wiederum ein Projekt das womöglich mehr Prestige und Arbeit benötigt – da die anderen Großen das auch haben. Leider etwas unnötig heutzutage.

Arbeitsalltag

Nach Wochen und Monaten mit Ubuntu kann ich sagen, dass man über viel Dinge hinwegsehen kann und es ist klar, dass man sich nicht ständig mit dem Betriebssystem auseinandersetzen möchte, sondern mit seiner Arbeit. Leider nerven einige Dinge, die man aus anderen Systemen kennt wie fehlende Touchpad Gesten, manchmal sogar fehlendes “Klick zum Minimieren” am Dock. Dass man oft sehr auf andere Programme angewiesen ist, auch, wenn man nur ein Bild verkleinern möchte.

Es gibt viele gute Apps und Programme, die ich als Experte auch nutze, die dem Heimanwender aber nie ansprechen werden. Dann braucht man Tools, die Ubuntu erweitern und verändern – damit man Wochentage oben angezeigt bekommt, sowie Wochennummern im Benachrichtungsmenü. Für den “Klick zum Minimieren” am Dock, für Tochpad Gesten, und längere Laptop-Laufzeiten werden wiederum Tools wie GNOME Tweaks und TLP (im Terminal) notwendig.

Immerhin kann man nun wenigstens das Theme in den Einstellungen wechseln, wobei ein paar mehr Einstellungen aus dem Tweak Tool gut getan hätten und dem User auch zumutbar sind. Da ist mehr Mut gefragt.

Leider fühlen sich viele der vermeidlich kleinen Helferchen und Apps aus dem Store an, wie halbgare Burger vom Gasthof nebenan. Sieht aus wie ein Burger, schmeckt aber nur so ähnlich, innen roh, ohne Pommes. Doch weit und breit gibt es keinen anderen Burger. Nur, ist er deshalb gleich einen guten Burger, nur weil es nichts besseres gibt?

Der Arbeitsalltag ist gut, finde ich. Man nutzt ohnehin meist den Browser, Thunderbird und LibreOffice, sowie GIMP oder Programme wie Sublime Text, Inkscape oder Filezilla. Auch Audition oder Handbrake sind dabei. Das sind meist aber sehr gute Programme, die auf mehreren Plattformen laufen und aktiv entwickelt werden.

Ganz im Gegensatz zu als Beispiel Messenger-Apps, die netterweise von jemanden in eine App verpackt wurden, eh nur die Webversion davon sind, aber dann nicht unter Wayland läuft. Das wirft eben einen Schatten auf das ganze System und Leute sind dann wieder weg. Und das ist das Schade daran.

Auch der WINE Support für Windows Programme ist nicht gerade der Hit. Man sagt zwar gerne “vieles läuft mit WINE heutzutage” und das stimmt auch. Da ist extrem viel weitergegangen. Eine einfache EXE Datei zu öffnen mit WINE – das braucht aber Wissen und Nerven.

Wirklich nervig ist jedoch die Sucher geworden. Das stört im Alltag allerdings, da ich meine eigenen Dateien nicht mehr finde, von denen ich weiß, wie sie heißen. Das wirkt wie ein Fehler und wird hoffentlich bald wieder korrigiert.

Insgesamt ist es schade, dass man immer wieder – wenn auch nur oft kleine – Hürden findet, die einem das Gesamtbild und den Arbeitsalltag erschweren.

Da frage ich mich oft: Benutzen die Entwickler das System auch zum Arbeiten, oder wird nur dafür Entwickelt? Dann wäre der “Nicht stören” Modus womöglich etwas weiter hinten auf der Prioritätenliste gewesen, weil ich das bisher nie gebraucht hätte. Oder man arbeitet dort etwas anders, als viele im Alltag.

Und nicht falsch verstehen – man kommt im Alltag gut damit zurecht! Gut ist aber kein Argument gegen die erschlagende Qualität der Konkurrenz, deshalb möchte ich nichts Schönreden.

Spielen und Games

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind natürlich Spiele, denn diese sind längst Teil der Gesellschaft und ein beliebtes Mittel, um sich verregnete Wochenenden zu vertreiben. Oder den Winter. Hier hat sich dank Steam und Proton sehr viel getan, dem Spieler kann man auch oft mehr zumuten, deshalb ist Basteln auch ein Mittel, das zumindest möglich ist.

Die mitgelieferten Mini-Spiele laufen ohne ein Problem, Spiele aus dem Store wie Super-Tux gehen auch ganz gut, viele der gratis Spiele sind teils okay, aber eben nicht auf professioneller Qualität. Und man will eben nicht ständig Kompromisse eingehen müssen. Das ändert sich aber seit einigen Jahren.

Steam ist in erster Linie eine Payed-Plattform, also Spiele zu kaufen, doch das sollte und ist nicht das Problem. Dafür stimmt meist die Qualität. Da gibt es aber auch einige Spiele die bereits nativ auf Linux laufen, für alle Anderen gibt es Proton. Das ist eine art Zwischenschicht, die Windows Spiele auf Linux übersetzt. Und das schon ganz gut.

Ältere Testspiele wie Banished gehen ohne etwas, laufen auch sehr gut. Anno 1404 – eines der Standardspiele in meinen Tests – läuft nur mit etwas Handanlegen. Allgemein ist die Weiterentwicklung dem Bereich in den letzten Jahren extrem nach oben gegangen und – man möchte es kaum glauben – Linux und Ubuntu könnten für Spieler eine gute Alternative werden. Counter Strike Source, Cities Skylines, die mehrige Tropico Reihe, Transport Fever 1+2, Another Brick in the Mall… um nur einige Spiele zu nennen.

Fazit

In den letzten Zwei Jahren hat sich extrem viel getan. Ubuntu sieht anders aus, ist schneller und nützlicher, ist praktisch wie nie und für viele auch wunderbar nutzbar.

Vor allem wenn es um Aufgaben wie Surfen und Emails geht, auch Office und Entwickeln – keine Frage. Wenn man sich mit den Eigenheiten anfreundet oder noch etwas Handanlegt, wenn notwendig.

Leider stößt man auch in der Version 20.04 auf alte Problemchen, denn es bringen einen ein paar verschobene Buttons und kleine Funktionen nicht so viel, wie ein rundes Gesamtpaket. Das macht man in anderen Distributionen oft besser, wenn auch dort nur mit Babyschritten. Aber oft scheinbar Konsequenter. Das liegt im allgemeinen daran, dass die meisten solcher Projekte auf Freiwilligkeit basiert. Nicht aber Ubuntu und GNOME.

Dort ist Geld vorhanden und es sind auch viele fleißige Menschen dabei, das Produkt besser zu machen. Doch fühlt es sich an, dass man hier oft planlos Fehler beseitigt, weil das Gesamtkonstrukt unflexibel wirkt und größere Änderungen benötigen:

Zitat: “Eine vertikale Integration, was sehr sehr schwierig ist”.

Mail mit GNOME Entwickler

Also meistens wird nicht gemacht werden. In größeren Firmen gibt es dafür auch Manager, die sich um Richtung und Strategie kümmern. Wenn man Programmiere aufstellen kann die einfach so helfen, warum nicht dann auch Manager, UX/UI Menschen, Designer und so weiter? Einen Plan machen und losarbeiten.

Doch nichts desto trotz ist das System gut nutzbar, es ist flexibel und stabil. Kann viel und braucht wenig. Das finde ich sehr gut und löblich, immerhin ist Ubuntu auch die Basis für etliche weitere Systeme.

Für einen echten Konkurrenzkampf ist das noch zu wenig, die Motivation stimmt, wie ich finde. Die Geschwindigkeit und der Weg aber noch nicht ganz. Am Ende, nichts desto trotz, ist das System jedoch für Einsteiger zu empfehlen.